Ein alter Hund lernt neue Tricks nur schwer

Als ich gelesen habe, dass der Bundestag sich zusammensetzen will, um zusammen zu “zocken” dachte ich erst ich spinn! Unsere alten Politwracks wollen sich doch tatsächlich sachlich mit dem auseinandersetzen, das sie die letzten Jahre vehement verbieten lassen wollten. Ein schlechter Scherz möchte man meinen.

Doch dieses Treffen fand tatsächlich statt – mit eher ernüchterndem Ausgang.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es toll, dass sich unsere Politiker mit einem Stück Alltag der heutigen Jugend befassen um sich von der großen Befangenheit befreien zu lassen. Nur das beinhaltet auch, dass diese dazu bereit sind. Natürlich gab es vorab die Meinung, dass so ein Zusammentreffen unwichtig, sinnfrei, abstoßend oder gar verhöhnend sein würde. Und dreimal dürft ihr raten, woraus sich diese Meinung abgeleitet hat: von dem Phänomen das die Klatschpresse ausgiebig als “Killerspiele” bezeichnet und aus vielen Köpfen nicht mehr rauszukriegen ist. Eben sowenig bemüht man sich bei den Geschmäckern der Jugend oder den vielen Genres in die sich die Spiele einordnen lassen zu differenzieren.

Mein Lob geht dabei an alle Politiker, die sich ernsthaft bei dieser Zusammenkunft mit der Thematik beschäftigen wollten. Zwar hat man sich Die Siedler erklären lassen und sich an Autorennspielen versucht, aber so manchem wie Brigitte Zypries wurde dabei “schlecht” (hat die Kurve wohl doch zu schnell angeschnitten). Sie habe an gewöhnlichen Brettspielen mehr Spaß und auf ihrem iPhone habe sie auch nur Solitär installiert, um die Zeit in den Öffentlichen zu überbrücken. Schade eigentlich. Aber immerhin gehört sie zu denjenigen, die den Vorschlag für gut befanden sich mit Fachkundigen aus der ESL (Electronic Sports League) zusammenzusetzen anstatt planlos daheim rumzudaddeln und bei seiner festgefahrenen Meinung zu bleiben – oder einfach so weiter dagegen zu wettern bei Geschäftsessen mit diversen Lobbys.

“Verbote müssen immer die Ultima Ratio bleiben.”

Burkhardt Müller-Sönksen, FDP-Medienexperte

Der FDP-Politiker versuchte sich an Counter-Strike. Aggressiv soll es ihn nicht gemacht haben, er könne sich allerdings vorstellen, dass für “einzelne, sonst über wenig soziale Kontakte verfügende Daddler möglicherweise ein “Rausch” ausgehe.” Obwohl er jedoch betonte, dass nicht das Bild vermittelt werden sollte, dass jetzt alles super-toll und spannend ist, distanzierte sich Müller-Sönksen von den Forderungen der Konservativen, Spiele zu kriminalisieren.

Im Vordergrund der Veranstaltung, die von Mitgliedern der FDP angestoßen wurde, stand primär ein heranführen an ein Hobby vieler Jugendlicher und junger Erwachsener mit einer breiten Palette an Spielen – vom Ballerspiel bis hin zu Geschicklichkeits-, Bewegungs- und Knobelspielen. Das in den Köpfen vieler betagter Parlamentarier festsitzende, überholte Bild des vereinsamten Zockers sollte aus eben diesen Verschwinden. Sehr überrascht hat mich hierbei die CSU-Politikerin Dorothee Bär, die folgende Frage aufwarf:

“Wieso bekommen gewaltverherrlichende Filme wie “Inglourious Basterds” einen Oscar, während bei vergleichbaren Games häufig nur nach der Indizierungsstelle und dem Gesetzgeber gerufen wird?”

Respekt, sowas von den Konservativen in diesem Zusammenhang zu hören lässt mich schon fast noch hoffen, dass Hopfen und Malz nicht ganz verloren sein könnten. Auch viele Innen- und Rechtspolitiker nahmen an der Veranstaltung teil um sich hautnah mit dem Thema Computerspiel zu befassen, um sich ein eigenes Bild machen und sachlich, fundiert und offen mit dem Thema umgehen zu können. Allerdings sind sich eben nicht immer alle einig, was sich ja schon in der Vergangenheit allein mit Schwarz-Gelb gezeigt hat.

“Ich finde es unverständlich, wozu ich lernen sollte wie man ein Killerspiel wie Counter-Strike spielt, das üble Instinkte im Menschen weckt.”

- Hans-Peter Uhl, Innenpolitischer Sprecher CDU/SCU

Was erwartet man auch von einem ü60er in der Politik? Üble Instinkte weckt das in mir auch (die Aussage und der Standpunkt, nicht das Spiel). Wobei wir dann wieder wunderbar die Debatte eröffnen könnten, warum die Spiele nicht der Auslöser sind. Aber nicht auch nur Politiker, sondern auch der Vater eines Opfers vom Amoklauf Winnenden zeigte sich empört. Er verstünde nicht, warum sich gerade Politiker zusammensetzen, “um zu lernen wie man virtuell tötet.” Insofern fand ich Bärs Gegenargument gut gewählt; ohne das Shooter-Genre wäre diese Ganze veranstaltung lächerlich gewesen, weil es nämlich genau darum geht festzustellen, wo die kleinen aber feinen Unterschiede liegen. Nur weil jemand sein gefährliches Hobby nicht ordnungsgemäß vor anderen Absichern kann, können Spiele schon mal gleich gar nichts dafür. So viel mal zu meinem Gegenargument. Ich versteh sowieso nicht warum bei Örtchen weiter abseits von Städten der potentiell gefährlichere Schützensport ein höheres Ansehen genießt, als Shooter. Das ist wieder so eine unsinnige Doppelmoral wie sie schon zu oft auf der Welt vorkommt. Und überhaupt: Ich möchte mal sehen wie bei Wii Fit jemandem am Bildschirm die Kehle aufgeschlitzt wird… *facepalm* So viel zum Thema “Differenzierung”.

Was andererseits unsere Drogenbeauftragte der Bundesregierung sich vorstellt, bei so einem Event als selbsternannte “Spielverderberin” aufzutauchen und über Spielsucht zu labern entzieht sich meiner Logik. Ich finde eine Teilnahme, wenn man schon hingeht um nur gegen den Inhalt zu wettern, hätte sie sich sparen können. Weil wenn man der ganzen Sache schon negativ gegenüber eingestellt ist, was von Sucht labern will und dann meint, mit derlei Zeitvertreib nichts zu tun haben zu wollen, der sollte so ein Amt nicht bekleiden, das ist einfach inkompetent und dient auch nur der Selbstpolitur; ganz besonders, wenn man nur mit Buzzwords argumentieren kann, deren Bedeutung man nicht weiter hinterfragt. “Seht mich an, ich bin so kompetent und traue mich in neue Gewäss– Ihh, mach’s weg!” *kopfschüttel* Wenn man schon über was lamentiert, sollte man doch auch Ahnung von der Materie haben. Setzt nun mal einfach voraus, dass man etwas Zeit damit verbringt und sich drauf einlässt, seinen Horizont umfassend zu erweitern.

Hoffentlich hat das Event ein bisschen dazu beigetragen, dass nun auch so sachlich, fundiert und offen mit dem Thema umgehen kann und im Bundestag ein Umdenken stattfindet.

Eure Meinungen zu dem Thema sind ebenfalls erwünscht. Beiträge können als Kommentar hinterlassen werden.

Quellen

Bericht auf heise.de
Bericht auf Computerbase.de mit Fotostrecke (Einige scheinen sich doch etwas in die bösen Killerspiele reinzusteigern)

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