PS Vita: Arschbombe oder Bauchklatscher?

Während das Europa und US Release der PS Vita immer näher rückt (22. Februar 2012) häufen sich schon seit dem Japan-Start Meldungen über Hard- und Software-Fehler. Dazu gesellen sich die üblichen Marketingstrategien von Sony, die man als mündiger Kunde nicht nachvollziehen kann.

Holpriger Start in Japan

Wie das mit jedem neuen Gerät auf dem Markt so ist gibt es auch ein paar erste Kinderkrankheiten. Die auffälligste und gravierendste bisher war, dass der Touchscreen äußerst störende Schlieren bilden kann und auch nicht mehr funktioniert. Eine andere, dass Spiele sporadisch abstürzen.

Sony hat sich für diese Vorfälle bereits entschuldigt und gelobt Besserung. Besser wär’s, denn zum Launch im Rest der Welt machen sich solche Fehlerchen nicht gut. Ein erstes Software Update gibt es schon, es ist allerdings nicht dokumentiert, was es tut oder ob es die eben beschriebenen Probleme lösen soll. Meine Vermutung ist ja eher, dass es sich dabei um den üblichen Anti-Homebrew-Patch handelt, denn es gibt schon erste Berichte über erfolgreiche Homebrew auf der Vita. Diese wird allerdings über den PSP Emulator ausgeführt, nicht auf der Vita Hardware selbst, aber immerhin.

Auch die Verkaufszahlen der Vita bleiben bisher hinter den Erwartungen zurück und liegen sogar noch hinter denen der PSP. Während der 3DS mit namenhaften Titeln sein anfängliches Tief überwinden konnte läuft Sony mit der Vita Gefahr denselben Fehler zu machen und ohne Killertitel in das Rennen zu starten.

Unnötig kastriert

Als wäre ein schwaches Launch Lineup nicht genug enttäuscht Sony auch weiterhin mögliche interessierte Käufer damit, Features zu streichen, die der Konsole womöglich mehr Anklang gegeben hätten.

Zum einen wäre da das gestrichene UMD Passport Programm in den USA (für Europa hüllt sich Sony noch in einen Mantel des Schweigens), welches es bisher nur japanischen Vita-Besitzern erlaubt, ihre PSP-Spiele mit ihrem PlayStation Account zu verknüpfen und zu einem verbilligten Preis erneut aus dem Store herunterzuladen. So was hätte man sich zur Zeit der PSP Go gewünscht. Aber schon allein die Tatsache, dass man für seine gekauften UMDs nochmal zur Kasse gebeten wird ist nicht gerade sympathiefördernd, zumal dieser “Geistesblitz” seitens Sony eine Konsolengeneration zu spät kommt und dann auch noch relativ kundenunfreundlich ist. Somit wird die PSP-Abwärtskompatibilität fast nutzlos, aber Hauptsache durch fadenscheinige Kaufargumente Kunden locken.

Der nächste Hammer ist die fehlende PS2-Unterstützung. Da kamen mit dem letzten PS3- und Store-Update PS2-Spiele in den PlayStation Store zum Download (Okay, waren zwar Titel die kein Schwein interessieren, aber hey, immerhin lässt es hoffen, dass namenhafte Titel nachrücken) und dann enttäuscht Sony mit einer weiteren Meldung, dass die Vita keine PS2-Downloadtitel unterstützen wird. Zwar werden immerhin PS1-Titel unterstützt, aber dafür muss man sich keine Vita kaufen, wenn man schon eine PSP hat. Nicht nachvollziehbar, Sony. Vor allem, weil im Vorfeld schon Demos gezeigt wurden, die MGS4 praktisch unverändert auf der Vita ausgeführt haben. Die Rechenpower wäre vorhanden, aber warum Sony die PS2 im Nachhinein so knechtet, obwohl sie den Siegeszug der PS1 so glorreich fortgeführt hat und mit dem Ideenklau von Nintendo schon seit dem Download von PS1-Titeln nicht einfach fortführt, ist mir ein Rätsel. Aber Sony beschränkt sich ja nicht nur auf Nintendo.

Auf einen TV-Ausgang muss bei der PS Vita ebenfalls verzichtet werden. Ebenso fehlt anscheinend interner Speicher, sodass, ähnlich wie beim Vorgänger PSP, eine proprietäre Micro-Speicherkarte in der Größenordnung 2-32 GB gekauft werden muss. Diese sind verhältnismäßig teuer, laut dem Review von Engadget können die 32 GB Memory Cards bis zu $100 kosten (eine vergleichbare MicroSD kostet gerade mal $30). Ebenso proprietär ist der Daten-Port, bei dem es sich um keinen handelsüblichen MiniUSB Anschluss wie bei der PSP handelt. Wäre aber auch nicht das erste Mal, dass man sich bei Sony dumm und dämlich zahlt. Da soll mir nochmal einer erzählen 60 EUR für ein Jahresabo Xbox Live Gold (5 EUR pro Monat ist schon echt viel Geld!!!) wären unverschämt.

Ringen um Käufer

Wie schon erwähnt bleibt ein konstanter Kassenschlager aus. Dem versucht Sony mit verschiedenen Bundles entgegenzuwirken, z. B. mit Store Gutscheinen, gratis Memory-Stick und anderen Dreingaben ohne den Grundpreis in die Höhe zu treiben, der mit 250-300 EUR happig genug ist. Nintendo hatte mit der Zeit begriffen, dass man sich mit so hohen Preisen für eine mobile Spielkonsole keine glücklichen Kunden macht. Derzeit läuft in Japan eine Geld-zurück-Aktion, bei der Käufer einer Vita 3G umgerechnet 19 EUR erstattet bekommen, wenn sie ein neues Spiel bis Ende März 2012 kaufen. Böse Zungen streuen sogar schon Gerüchte, dass der Vita die Entwickler davonlaufen.

Aber das hatte Sony bei der PS3 anfangs auch nicht interessiert und die Quittung für ihre Dekadenz haben sie ja auch bekommen: die Xbox 360 und die Wii sind mühelos am Hardware-Koloss vorbeigezogen. Da half auch das Argument als Blu-Ray-Player nichts, denn die Scheibchen waren in den Anfangszeiten ebenfalls mit ca. 30 EUR doppelt bis dreimal so teuer wie eine DVD. Und ich werde auch nicht müde an das Debakel des PS Jailbreak zu erinnern, weil Sony sich völlig panisch in die Hosen geschissen hat, dass jeder wie Geohot jetzt anfängt seine PS3 auseinander zu nehmen, um die Platine zu zappen, damit er raubkopierte Spiele zocken kann. Die Drogen will ich auch haben, die sie bei Sony nehmen (nicht). Dies führte letztlich zum Rausschmiss der Option Linux zu installieren, was die Aufmerksamkeit vieler Hacker auf Sony lenkte und ultimativ im großen PSN Hack resultierte nachdem Sony der Hackergemeinde weiter ans Bein pisste.

Hardware allein ist nicht alles, aber Sony war schon immer gut darin das getrost zu übersehen. Zwar kriegt jeder Technik-Nerd bestimmt einen Instant-Boner bei der doppelten Quadcore Action (CPU und GPU) und vorne und hinten gibt’s viel zu fummeln, aber das war’s dann auch schon gewesen. An sich ne witzige Analogie: das protzige Auftreten imponiert, man hat seinen kurzen Spaß, aber langfristig fehlen die Inhalte diese Romanze weiter auszubauen. Man kann sogar schon fast sagen es offenbart sich langsam Sonys “schlamperei”, wenn sie schon um mehr Geld für den kurzen Spaß betteln, als er es derzeit wert ist.

Ausblick

Bis jetzt sieht es so aus, als ob Sony mit der Vita noch ein altes Geschäftsmodell verfolgt, das in seiner jetzigen Form den Kassenschlager kategorisch ausschließt, oder wie ich es nenne “Failure by Design” bzw. “Failure by Management”. Es gibt kaum Titel, die einer breitgefächerten Masse gerecht werden und die Abwärtskompatibilität ist schwer herstellbar bis nutzlos. Namenhafte Titel wie das Final Fantasy X HD Remaster kommen erst später (und dann auch noch für Vita und PS3 zugleich, also wird notfalls dann auch zur PS3-Version gegriffen, sofern vorhanden). Auf diesem Wege wird Sony wahrscheinlich ein noch recht steiniger Weg bevorstehen, ehe die richtigen Spiele für den richtigen potentiellen Käufer erscheinen und der Kauf des Geräts selbst lohnt.

Sony hat sich in den letzten Jahren zwar viel von Nintendo abgeguckt, aber ich bin mir nicht sicher, ob es das Beste für Sony ist auch Nintendos schlechtes Einstiegsmarketing zu klauen… Aber macht ja nichts, Sony gibt sich Zeit und wenn die Kohle reicht (worüber ich mir bei Sony ja mal gar keine Sorgen mache) kommt nach nem halben bis ganzen Jahr eh nochmal ein Redesign raus. Vielleicht lohnt dann auch das Zuschlagen auf Basis des Software-Lineups.

Update

Ein Freund hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es doch schon Homebrew auf Vita-Hardware gibt. Läuft zwar mit ziemlich stotterndem Sound, aber whatever: HOMEBREW!

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