In eigener Sache: Liebeskummer

27 10 2011

Ich möchte mich zuerst einmal für die lange Stille in meinem Blog entschuldigen. Zurzeit fehlt mir einfach die Zeit und die Motivation über vieles zu berichten, worüber ich eigentlich berichten wollen würde. In den letzten Einträgen zu “In eigener Sache” habe ich schon geschrieben, dass es bei mir ohnehin schon nicht gut aussieht und meine Zukunft sehr ungewiss aussieht. Wäre das im Beruf schon nicht genug gesellt sich jetzt auch noch die Liebe dazu.

Besonders jetzt da es bald wieder Winter wird und ich diese Zeit seit ein paar Jahren immer an der Seite eines festen Freundes verbracht habe sticht mir das sehr schmerzhaft ins Herz, dieses Jahr wohl keinen zu haben und Weihnachten alleine zu feiern. Das liegt aber nicht daran, dass ich niemanden finde. Es liegt viel mehr daran, dass mir mein verworrenes Beziehungsleben (mehrere Neuversuche mit Ex-Freunden) über die letzten Jahre – besonders als Drachegeborener – sehr viel Selbstkritik einbringt und ich unwillig bin den nächsten Schritt zu tun.

Schwerer wiegt jedoch die Erkenntnis, dass ich seinerzeit eine sehr solide Beziehung aufgrund jugendlichen Übereifers einfach weggeworfen und weiterhin durch Leichtsinn unwiederbringlich zerstört habe. Diese Erkenntnis hat mich stark verändert. Hauptsächlich aus dem Grund, dass ich mich immer in der Rolle eines anderen wiederfinde und anfange zu begreifen, was ich verbrochen habe.

Dass ich auch so oft mit meinen Ex-Freunden einen neuen Anlauf versucht habe liegt wohl eher daran, dass ich viel zu gutmütig und naiv bin, als dass ich einer bestimmten Person jahrelang negative Gefühle wie Hass, Verachtung, etc. entgegenbringen könnte. Manchmal wurde mir dann auch gesagt: “Das bist nicht du!” Doch auf der Suche nach dem, der ich wirklich sein soll, komme ich nicht wirklich weiter. Es ist nur ein Weg voller Selbstkritik.

Da ich auch von meiner Arbeit nicht abgelenkt bin (weil nichts zu tun) habe ich viel zu viel Zeit zum Nachdenken. Musik lenkt mich auch kaum ab, weil mein Kopf mit den Lyrics automatisch zur ganzen Situation einen Bezug herstellt. Es mag ein normaler Prozess sein, das tröstet mich aber wenig und verhindert es nicht. Viel zu oft drängen sich dabei Bilder glücklicherer Tage in meinen Kopf und foltern mich mit der Realität, dass diese nicht mehr wiederkehren werden gepaart mit der bohrenden Frage nach dem “Warum?” zusammen mit Hirngespinsten eines erneuten erfolgreichen Neuversuchs. Nicht weil es vielleicht nicht doch möglich wäre, sondern weil es nicht sein darf. Sicher war es in meiner letzten Beziehung nicht immer einfach und als er mich verlassen hatte war das befreiende Gefühl und die Möglichkeit mein Leben für mich zu leben erst mal toll. Doch das sollte nicht lange vorhalten. Und heute lese ich dieses nur allzu zutreffende Zitat, das mich dazu bewogen hat dazu zu schreiben:

“Manchmal liebe ich dich. Manchmal hasse ich dich, aber kein Tag vergeht, — wo ich das nicht vermisse.”

- Quelle

Wir hatten praktisch schon geplant, wie alles vorangehen sollte. Alles hatte noch einen gewissen Sinn, ein Ziel auf das es sich aus der Entfernung lohnte hinzuarbeiten. Doch wenn ich mir anschaue, wie lang ich schon unter der Woche wieder aufbleibe nur um nicht alleine ins Bett gehen zu müssen wird mir bewusst, wie mir die kleine Nervensäge und Chaot der er auch war doch ein wenig Ordnung in meinen Tagesablauf brachte. An den Nürnberger Christkindlesmarkt will ich gar nicht erst denken. Den werde ich alleine wohl kaum besuchen. Zu schmerzhaft wären wohl die Erkenntnis von Alleinsein und Erinnerungen.

Egal ob ich nach vorne oder zurück blicke, alles erscheint ungewiss und ohne Hoffnung auf Besserung. Selbst wenn es jetzt schon einen Monat her ist und ich mich mit allem Möglichen versuche abzulenken ist es doch nicht genug. Alle Gedanken und Gefühle kehren immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurück, konzentrieren sich und fallen über mich her.

Es vergeht mittlerweile wirklich kein Tag, an dem ich sagen könnte, dass ich es nicht doch vermisse…





In eigener Sache: Diese Wie-du-mit-so-ich-dir-Mentalität kotzt mich langsam aber sicher an

7 09 2011

Ich habe mich in letzter Zeit vermehrt Fällen gegenüber gesehen, in denen ich auf der zwischenmenschlichen Ebene zwar nicht so ganz auf die feine englische Art argumentiert habe, dennoch scheint es meinem Gegenüber dann als allgemein angemessen es mir gleich zu tun. Mal abgesehen davon, dass ein solches Verhalten absolut kindisch ist und rein gar nichts zur Lösung eines bestehenden Konflikts beiträgt, verhärtet es außerdem noch die Fronten und trägt eher zur Eskalation bei.

Mich würde mal ernsthaft interessieren woher diese Mentalität kommt und wer zum Teufel das so weiterverbreitet hat, als sei es in Ordnung? Denn das ist es eben genau nicht! Fehltritte eines anderen sind kein Freibrief um sich nach Lust und Laune selbst weitere, vielleicht sogar noch größere zu leisten.

Für mich stellt sich in solchen Situationen nur eins klar in den Raum: mein Gegenüber ist ein Anhänger der beschissenen Ellbogengesellschaft in der wir leben, in der es darum geht seine Stärke und Überlegenheit zu beweisen. Doch das Bild von Stärke und Überlegenheit, das diese Gesellschaft vermitteln will, ist für mich eher ein Trugbild, das mehr und mehr zu ihrem eigenen Zerfall beiträgt. Muss diese Stärke und Überlegenheit denn immer darin bestehen dem anderen nicht auch einen fairen Prozess zu gönnen, in dem auch er die Möglichkeit hat seine Argumente vorzubringen und begründen zu können? Muss immer gleich mit Beleidigungen, Kraftausdrücken oder sogar Gewalt geantwortet werden, wenn die eigenen Argumente unterliegen?

Ich für meinen Teil sehe meine Stärke und Überlegenheit viel mehr darin einzugestehen, wenn ich mich in eine Sackgasse argumentiert habe. Wenn mich jemand in einer offenen und ernstgemeinten Diskussion aussticht, dann sehe ich meine Niederlage ein.

Etwas völlig anderes ist es allerdings, wenn solche 0-8-15 Streithähne meinen sich mit ihren fadenscheinigen Tunnelblicken auch noch zu Rühmen und die eigenen Ansichten dabei als Null, nichtig und vollkommen fehlgeleitet hinzustellen – ja, sich vielleicht sogar noch anzumaßen den salzbedeckten Finger samt Zitrone auf die Wunde zu drücken. Das ist eine Grenze die niemend überschreiten sollte, denn sonst wird es eklig.

Man sagt doch auch gerne mal: “Auf dieses Niveau möchte ich mich nicht herablassen.” Ach?

Anscheinend aber schon, wenn man sich durch die Fehltritte eines anderen dazu bemächtigt fühlt diese sogar noch zu toppen (ironischerweise aber das Niveau der Diskussion dadurch beständig weiter absinken zu lassen). Alles endet dann nur noch darin, dass man dem anderen die Worte im Mund herumdreht und kleinlich die Argumente des anderen zerpflückt, um seine eigenen argumentativen Fehltritte zu rechtfertigen oder besser darzustellen als sie eigentlich sind.

Nun ist mir durchaus bewusst, dass man gegen Hitzköpfe nichts machen kann, wenn sie erst mal in Fahrt sind, außer sich taktisch aus der Diskussion zurückzuziehen, sobald man merkt, dass man nur noch aneinander vorbeiredet und ein Machtkampf entsteht. Denn Sinn eines Streits ist ja eigentlich einen Konflikt aus der Welt zu schaffen, indem Kompromisse geschaffen werden. Nun ist es aber heutzutage wohl auch so, dass der eigenen Überlegenheit weitaus mehr Priorität eingeräumt wird, als dem friedvollen Beilegen einer Meinungsverschiedenheit. Auch scheint der Sinn des Wortes “Streit” immer mehr so verstanden zu werden, dass man sich während eines solchen mit wüsten Beschimpfungen bewerfen muss – muss man aber nicht, das geht auch friedvoller.

Meinungen sind nun einmal unterschiedlich und wenn man nicht übereinstimmt, gilt es einen Konsens – einen Mittelweg – zu finden auf den man sich gemeinsam einigen kann. Ich weiß selbst, auf was für dünnes Eis man sich mit einem solchen Unterfangen begeben kann und meist ist selbst mir die Gefahr einzubrechen zu groß und lasse dem anderen seine Meinung – egal für wie bescheuert ich sie halten mag. Denn mir ist nicht danach ein stures Kind zu bekehren, das sich nicht bekehren lassen will, weil es nicht über den eigenen Tellerrand hinausblicken kann.

Abschließen möchte ich dieses sozialpsychologische Ranting mit einem Zitat:

“Nichts ist häufiger, als dass am Ende eines Streits beide Gegner um die Wette Unsinn reden.”

– Ferdinando Galiani, Dialoge








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